16. Juni 2009
Hallo,18. Juni 2009
Lieber Sven, lieber Mike,Obiger Schriftwechsel hat in vielen Internetforen zu kontroversen Diskussionen geführt. Deswegen halten wir es für notwendig auf einige Argumente und Punkte einzugehen:
"Das Symbol wird in der Szene schon lange benutzt"
"Provokation ist schon immer ein Teil der Szene"
"Ich lass mir von den Nazis nicht vorschreiben, welche Symbole ich trage"
Wie deutlich zu erkennen ist, richten wir uns in dem Schreiben nicht an die "Szene", sondern an die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens. Wir denken auch, dass man da ganz klar unterscheiden muss. Dass das WGT in der Szene einen hohen Stellenwert hat, bedeutet nicht, dass die Veranstalter frei von der Verantwortung sind, jedwede mehrdeutige Symbolik unkommentiert zu benutzen. Es ist nicht Sache des Veranstalters zu provozieren. Die Gestaltung offizieller Veranstaltungsdokumente prägt das Bild der Veranstaltung nach aussen und charakterisiert diese und somit deren Besucher und die dort auftretenden Künstler.
Es ist richtig und wurde von uns nie angezweifelt, dass heidnische, esoterische, altdeutsche u.v.a. Symbole, Runen, Abbildungen "Schwarzer Sonnen" bei Zuschauern wie bei Bands der Szene auftauchen. Dies unterliegt - solange es verfassungskonform ist - der persönlichen bzw. künstlerischen Freiheit. Selbstverständlich kann man sich auch damit kritisch auseinandersetzen. Dies ist aber eine andere Diskussion, die nicht Thema obigen Briefwechsels ist.
"Hitler schlief in einem Bett, soll ich deshalb auf dem Fußboden übernachten?"
"Dann müsste man auch die Zahl 88 verbieten"
"Dann müsste man auch alle Buchstaben und Zahlen verbieten"
Zunächst: in obigem Schriftwechsel wird von uns nichts "verboten". Die Beurteilung, wann ein Symbol als kritisch zu bewerten ist, kann zunächst nur jeder für sich persönlich treffen. So auch wir. Wäre auf der "Obsorgekarte" ein Bett dargestellt worden, hätten wir allerdings keinen Brief verfasst.
"Ist doch alles nur ein Werbegag, eine PR Aktion"
Der offene Brief wurde an die Veranstalter des WGT gesendet und auf die Homepage von ASP gestellt. Er wurde nicht in Newslettern, Bulletins, sozialen Netzwerken oder Pressemeldungen, weder an Szene- noch an die Tagespresse weiterverteilt.
Alles was wir öffentlich sagen, ist auch öffentlich. Aber nicht jede Äußerung, die wir öffentlich tätigen, ist damit auch gleich eine strategisch durchgeplante Aktion.
Die Diskussion über das Thema und das Verfassen offener Briefe durch Besucher des WGT geschah bereits vor unserem ersten Brief, ohne unser Zutun.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit der schwarzen Sonne Absicht war"
"Ich glaube nicht, dass die Veranstalter des WGT damit politische Ziele verfolgen"
"Ich glaube, die Veranstalter des WGT wussten nicht, was das Zeichen bedeutet."
Und um diesem Glauben Gewissheit zu geben, baten wir die Veranstalter um eine Stellungnahme. Da sie offiziell bisher keine solche gegeben haben, bleibt es jedem einzelnen überlassen, daraus seine Schlüsse zu ziehen. Dass dies nicht vorurteilsfrei geschieht, liegt bedauerlicherweise in der Natur der Sache.
"Aber sie haben doch geantwortet, dass sie 'keine politischen Ziele verfolgen'."
Richtig. Sven Borges und Mike Schorler haben dies gesagt. Die Antwort ist aber keine offizielle Stellungnahme der "Treffen- und Festspielgesellschaft" sondern der private Versuch einer Erklärung durch einen Teil der Verantwortlichen.
"Aber die Antifa ist auch gewaltbereit und zudem linksextrem"
Wir sind nicht die Antifa und nicht Mitglied der Antifa. Wir sind nicht Mitglied bei überhaupt einer politisch extremen Gruppierung. Wir lehnen beide Extreme ab und politische Gewalt kategorisch. Es wird aber eine gefährliche Sache nicht weniger gefährlich, nur weil es eine zweite gefährliche Sache gibt.
"Ihr solltet Eure Gage spenden"
Wir diskutieren dieses Thema. Sollten sich Teile der Band oder des Teams dazu bereit erklären, werden wir dies nicht öffentlich machen, denn es handelt sich hierbei nicht um eine PR-Aktion.
"Ihr hättet das Konzert vor Ort schon absagen müssen"
Wir wussten bis einige Tage nach dem WGT nichts von der Obsorgekarte und ihrer Gestaltung.
"Warum fangt Ihr ausgerechnet jetzt an, euch mit solchen Sachen zu beschäftigen?"
An jedem Ort stehn Kreuze, schon gekrümmt an ihren Enden
Und die immer gleichen Schatten schlagen Haken an den Wänden,
Werden rostige Ideen aufpoliert zu neuem Glanz
Und von Angst genährtes Gift in Eure Köpfe eingepflanzt.
(Ich bin ein wahrer Satan, Version 2006)
"Ihr arbeitet ja trotzdem mit der Firma InMove weiter"
Die Firma InMove ist nicht der Veranstalter des WGT. Auf bisherigen Veranstaltungen auf denen wir spielten, die von der Firma InMove organisiert wurden, gab es keinerlei Vorkomnisse dieser Art. Auch ziehen wir den Dialog vor. Wir stehen mit Sven Borges und Mike Schorler in Kontakt.
"Ihr macht das WGT kaputt."
Wir haben dem Veranstalter eine Frage gestellt, weil wir uns Sorgen machen. "Beweisen" können wir wahrscheinlich unsere Haltung nicht, außer dadurch, dass wir all die Vorwürfe und Angriffe auf uns nehmen, die auf unseren offenen Brief folgten. Warum sollten wir uns eine große Plattform für die Präsentation unserer Musik leichtfertig verspielen?
"Kommerzspießer", "Inquisition", "Rumgeheule", "political correct Unsinn", "Gutmenschen", "Fuck off ASP!"
Tsja, diesen kraftvollen Argumenten können sogar wir leider nichts entgegensetzen. ;-)